Über den DuT-Report

Neue Technologien und digitale Anwendungen stellen mittlerweile eine tragende Säule der Diabetestherapie dar. Besonders die Technik der kontinuierlichen Glukosemessung und Möglichkeiten der digitalen Auswertung von Glukoseprofilen haben in letzter Zeit die Behandlung des Diabetes nachhaltig verändert. Was bisher fehlt, sind Erkenntnisse darüber, inwieweit diese neuen Technologien und digital unterstützten Therapieformen tatsächlich in der klinischen Praxis umgesetzt werden, welche Einstellung die verschiedenen Akteure des Gesundheitswesens dazu haben und welche Trends in der Zukunft zu erwarten sind.

Die Umfrage

Sie bekommen deshalb hier die Ergebnisse der Umfrage unter Diabetologen zusammengefasst, welche mit der tatkräftigen Unterstützung des „Bundesverbandes Niedergelassener Diabetologen“ (BVND) durchgeführt wurde. Die Ergebnisse sind ein wichtiger Beitrag zu der Debatte, welche digitalen Anwendungen und Technologien die Versorgung wirklich verbessern und welche Rahmenbedingungen dafür verändert werden müssen.

Der Report

Im Report beschreiben die Autoren die wichtigsten Fakten und Entwicklungstrends zu 10 Aspekten der Digitalisierung und Technologisierung bei Diabetes. In den Beiträgen liegt der Schwerpunkt auf der Vorstellung praktischer Anwendungen und auf zukünftigen Entwicklungen. Diese sollen Sie dabei unterstützen, praxistaugliche Lösungen zu identifizieren, die zukünftig Bestandteil einer modernen und patientenorientierten Diabetologie sein können.

Vorwort der Herausgeber

Neue Technologien und die fortschreitende Digitalisierung gewinnen in der Therapie des Dia­betes immer mehr an Bedeutung. Besonders die Technik der kontinuierlichen Glukosemessung und Möglichkeiten der digitalen Auswertung von Glukoseprofilen haben in letzter Zeit die Behandlung des Diabetes nachhaltig verändert. Mittlerweile stellen neue Diabetestechnologien und digitale Anwendungen eine tragende Säule der Diabetestherapie dar. Was bisher fehlt, sind Erkenntnisse darüber, inwieweit diese neuen Technologien und digital unterstützten Therapieformen tatsächlich in der klinischen Praxis umgesetzt werden, welche Einstellung die verschiedenen Akteure des Gesundheitswesens dazu haben und welche Trends in der Zukunft zu erwarten sind.

Das interdisziplinär zusammengesetzte „Zukunftsboard Digitalisierung“, welches in diesem Report genauer vorgestellt wird, hat sich vorgenommen, mit verschiedenen Projekten diese Lücke zu schließen.

  • Im vorliegenden „Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes 2019“ sind die Ergebnisse einer Umfrage von Diabetologen zusammengefasst, welche mit der Unterstützung des „Bundesverbandes Niedergelassener Diabetologen“ (BVND) durchgeführt wurde. Sie zeigt, dass diese der Digitalisierung und neuen Technologien gegenüber sehr positiv eingestellt sind und sich dadurch eine Verbesserung der Dia­betestherapie erhoffen. Die Studie kommt auch zu dem Ergebnis, dass eine mittlerweile große Zahl von Patienten moderne Technologie und digitale Formen der Auswertung von Glukoseprofilen anwendet. Allerdings sehen die befragten Diabetologen auch eine Reihe von Barrieren, die eine schnelle Verbreitung digitaler Formen der Diabetestherapie verhindern.
    Die Ergebnisse der Umfrage sind ein wichtiger Beitrag zu der Debatte, welche digitalen Anwendungen und Technologien die Versorgung wirklich verbessern und welche Rahmenbedingungen dafür verändert werden müssen. Die Befragung soll jährlich wiederholt werden, um Entwicklungstrends und auch die Meinung anderer für die Diabetestherapie relevanter Gruppen (z. B. Patienten, Diabetesberater, Wissenschaftler, Kostenträger) abbilden zu können.
  • Im zweiten Teil dieses Reports haben wir verschiedene Autoren gebeten, die wichtigsten Fakten und Entwicklungstrends zu zehn verschiedenen Aspekten der Digitalisierung und Technologisierung bei Diabetes zu beschreiben. Dies soll deutlich machen, an wie vielen und unterschiedlichen Ebenen die Digitalisierung und Diabetes­technologie mittlerweile in die Diabetestherapie eingreift. In den Artikeln liegt der Schwerpunkt vor allem auf der Vorstellung praktischer Anwendungen und zukünftiger Entwicklungen. Diese sollen Sie dabei unterstützen, praxistaugliche Lösungen zu identifizieren, die zukünftig Bestandteil einer modernen und patientenorientierten Diabetologie sein können. In jährlichen ­Updates können Sie verfolgen, welche der beschriebenen Ansätze sich durchgesetzt haben, und Sie bekommen Anregungen für die tägliche Praxis.
  • Um neue Ideen und Lösungen für ein digitales und technologieunterstütztes Diabetesmanagement zu fördern, wird ab dem nächsten Jahr von dem Zukunftsboard gemeinsam mit dem Unternehmen Berlin-­Chemie ein ­bytes4diabetes-Award 2020 ausgeschrieben. Er soll Forschern und kreativen Köpfen aus allen Bereichen des Gesundheitswesens eine Bühne bieten, um sich und ihre Projekte vorzustellen. Bewerben können sich Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen: beispielsweise Universitäten, Forschungseinrichtungen, Verbände, Krankenhäuser, Unternehmen oder Start-ups.

Wir sind gespannt, wie Ihnen der neue Digitalisierungs– und Technologiereport Diabetes 2019 gefällt und freuen uns auf Ihre Rückmeldungen.


Prof. Dr. Lutz Heinemann, Neuss
Prof. Dr. Bernhard Kulzer, Bad Mergentheim

Vorwort BVND

FIDAM, der Kirchheim-Verlag und der BVND haben mit Unterstützung der Berlin-Chemie AG im Monat Oktober 2018 eine Umfrage unter Diabetologen zum Thema Digitalisierung durchgeführt.
Den Initiatoren war wichtig, mittels eines auch für den Praxis-Arbeitsalltag strukturierten und vernünftig dimensionierten Fragebogens einen Überblick zu der Thematik für die Diabetologie in Deutschland zu erhalten. Auf die Ergebnisse dieser Umfrage aufsetzend sind weitere Befragungen und gegebenenfalls auch detailliertere Nachfragen in kommenden Jahren geplant.

Der aus dieser Befragung entstandene und nunmehr vorliegende Digitalisierungsreport soll den aktuellen Stand zu dieser Thematik für unser Fachgebiet abbilden. Auch bei den zukünftig von den tragenden Organisationen durchgeführten Erhebungen wird ein entsprechender Digitalisierungsreport im Jahresrhythmus erstellt werden.
Bei Durchsicht der Daten fällt zunächst auf, dass Diabetologen aus dem Bereich der Niedergelassenen deutlich häufiger geantwortet haben als Diabetologen aus stationären Einrichtungen. Dass dabei ein sehr großer Teil von Arztpraxen geantwortet hat, die im BVND organisiert sind, ist für den Vorsitzenden dieses Verbandes – aber nicht nur für den – natürlich erfreulich.
Die Ergebnisse der Strukturbefragung, die vor zwei Jahren unter BVND–Mitgliedern durchgeführt wurde, sind im Übrigen durch diese Erhebung bestätigt und wunderbar ergänzt worden. Des Weiteren fällt eine insgesamt überwiegend positive Grundeinstellung zu dieser Thematik auf! Und das, obwohl aktuell Unmut verursachende Themen wie TI, DSGVO, Datenschutz … berechtigterweise auch eine andere Grundeinstellung haben befürchten lassen.

Auffällig ist auch, dass die Diabetologen, so aufgeschlossen sie der Thematik grundsätzlich gegenüberstehen, doch nicht „aufs Gaspedal drücken“, wenn es um die konkrete Umsetzung geht. Über die Gründe mag man spekulieren: vorgelebte Trägheit der Politik z. B. beim Ausbau der Hardware für den Wandel zur Digitalisierung, Erfahrungen/Lebenserfahrungen im Umgang mit Neuerungen insgesamt, besonders aber im Gesundheitswesen u.a. m.
Bei genauerem Analysieren der Daten – es war im Vorhinein vereinbart, dass eine Unterauswertung der Daten für die BVND-Mitglieder möglich wird – fällt auf, dass die im BVND organisierten Kolleginnen und Kollegen im Vergleich zu allen anderen eine noch deutlichere Affinität zu Digitalisierungsthemen zu haben scheinen! Dieses ist bedeutsam, ist doch auch von offizieller Seite zuletzt immer wieder eine mangelnde Bereitschaft der Ärzteschaft bei der Umsetzung von Digitalisierungsthemen reklamiert worden. Ich halte dieses für eine Fehl­einschätzung! Ich glaube, dass die Ärzteschaft sich lediglich ihrer Verantwortung auch bei diesem Thema bewusst ist und einen besseren Schutz der Daten fordert. Immerhin haben wir Ärzte kraft unseres uns vom Staat übertragenen Mandates eine ganz besondere Aufmerksamkeit auf diesen Punkt zu legen, da Datenschutz in diesem Fall auch direkt mit der ärztlichen Verschwiegenheitsverpflichtung verbunden ist.

Trotz aller Einschränkungen: Ich freue mich, dass es gelungen ist, diese Erhebung und den entsprechenden Digitalisierungsreport in dieser Geschwindigkeit fertigzustellen, und ich freue mich auf die weitere Arbeit an diesem Thema und die Zusammenarbeit mit den anderen tragenden Organisationen.

Dr. Nikolaus Scheper
1. Vorsitzender des BVND

Zum Geleit

Digitale Transformation verändert die Medizin inhaltlich und strukturell in allen Bereichen wie Forschung, Diagnostik, Monitoring, Therapie, Versorgung sowie Beratung, Aufklärung, Screening und Prävention. Bei einem derart tiefgreifenden Wandel ist es die Rolle einer themen- bzw. krankheitsspezifischen wissenschaftlichen Fachgesellschaft wie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), sich primär durch die Formulierung konkreter medizinischer Standards aktiv in die Gestaltung mit einzubringen.
Die DDG sieht es als ihre Aufgabe beim Thema Digitalisierung, den Handlungsrahmen für den Wandel und damit eine erkennbare Positionierung basierend auf medizinischen Standards intern und extern darzulegen. Dafür hat sie Handlungsfelder für den digitalen Wandel definiert wie Datenschutz, Interoperabilität, Forschung, digitale Behandlungsstandards (Strukturqualität, Prozessqualität, Ergebnisqualität, Anforderungsprofil für die eGK), Schulung, Aus- und Weiterbildung, „Sprechende Medizin“ sowie Prävention – und diese in einem „Code of Conduct Digital Health“ der DDG (siehe Homepage der DDG) näher ausgeführt.
Das Ziel einer optimalen Versorgung ist es, die Lebenserwartung und Lebensqualität der Menschen mit Diabetes zu normalisieren. „Ein Leben ohne Diabetes“ wäre das Ideal. Hierzu müssen strategisch relevante Daten erhoben werden können, die patienten-, bedarfs- und ergebnisorientierte Maßnahmen zur Verbesserung von Prävention, Krankheitsverlauf und Versorgung entwickeln lassen und eine vernetzte Dia­betesforschung ermöglichen.
Die DDG sieht in der Digitalisierung eine große Chance, flächendeckend medizinische Versorgung auf höchstem Niveau zu gewährleisten. Mit Hilfe moderner Technologien lassen sich die oft unüberbrückbaren Grenzen zwischen unterschiedlichen medizinischen Fach- und Berufsgruppen, aber auch zwischen Kliniken und Praxen, Pflege- und Reha-Einrichtungen oder zwischen Stadt und Land durch intelligente Vernetzung überwinden.
In diesem Sinne begrüßen wir es sehr, dass die Initiative und der erste vorliegende Bericht zur Digitalisierung (der insbesondere auf der sehr interessanten Umfrage des FIDAM beruht) unter anderem zeigt, dass die potentiellen „User“ der Digitalisierung und der Diabetes-Technologien eigentlich umfänglich und flächendeckend den digitalen Veränderungen gegenüber aufgeschlossen sind.
Wir danken allen Beteiligten dieser Initiative für ihr Engagement und freuen uns mit Dank über die interessanten und stimulierenden Beiträge zur „Digitalen Transformation“, die auch die klinische, praktische, präventive und wissenschaftliche Diabetologie verändern wird. Daher sollten wir den Wandel aktiv mitgestalten, wofür dieser Bericht ein wichtiges Beispiel und ein wichtiger Beitrag ist!

Januar 2019,
Dirk Müller-Wieland
Präsident, Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)